Das Leben ist schön:
dank smarter Technologien.

Das Leben ist schön: dank smarter Technologien.

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Zu voll, zu laut, zu dreckig: Mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung leben bereits heute in Städten. Und es werden täglich mehr. 2050 werden es laut Prognose der Vereinten Nationen 75 Prozent sein. Nach Schätzungen der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung sogar 83 Prozent. Um dem Kollaps durch das starke Wachstum vorzubeugen, setzt die Stadt der Zukunft schon heute auf smarte Technologien von morgen – so genannte moderne Internet- und Kommunikationstechnologien (ICT). Kurz gesagt: Sie wird zur Smart City.

Gemeint sind damit intelligente Konzepte und smarte Lösungen für die kommunalen Herausforderungen, die die Digitalisierung als Chance zum Erhalt und zur Verbesserung der Lebensqualität in Großstädten verstehen. Das Ergebnis: Intelligente Straßenlaternen oder Müllbehälter, vernetzte Ampeln und Parkplatzsensoren – das Internet der Dinge (IoT) dominiert die Smart Cities. So entstehen vernetzte Informationsmanagement-Tools, die u. a. Bereiche wie Energie, Infrastruktur, Verkehr, Bildung oder Abfallwirtschaft effizienter und nachhaltiger gestalten.

Städte brauchen smarte Strategien, denn in den Städten werden sich die Probleme und Chancen des weltweiten Wachstums konzentrieren.“  Professor Dr. Harald Heinrichs

Was macht eine Stadt zur Smart City?

Der Terminus „Smart City“ umfasst Konzepte, mithilfe derer Städte in puncto Ökologie, sozialem Zusammenleben, politischer Teilhabe usw. modernisiert und lebenswerter gestaltet werden ¬ und zwar unter Einsatz evolutionärer und revolutionärer Technologien der ICT-Branche.

Smart Cities regulieren beispielsweise das Verkehrsaufkommen durch gewonnene Daten aus intelligenten Ampeln, öffentlichen Verkehrsmitteln oder Autos. Smart und somit clever sind in Smart Cities jedoch nicht nur die maschinellen Mobilitätsakteure, sondern auch Mülltonnen, Klassenzimmer oder gar Stromnetze.

Auf dem Weg zur Smart City: Wie smart sind Deutschlands Städte?

Smarte Systeme erfassen und monitoren die Auslastung des öffentlichen Personennahverkehrs, die Daten zur Luftqualität, zum Strombedarf oder zum Verkehrsaufkommen in Echtzeit. Sie gestalten dadurch Verwaltungsprozesse effizienter, ressourcenschonender und nachhaltiger. Smart-City-Lösungen vereinfachen und revolutionieren unseren Alltag schon jetzt. Konkret bedeutet dies etwa, dass der öffentliche Müllbehälter im Park selbst meldet, wenn er geleert werden muss. In der Smart City von morgen wird der Verkehr über Daten aus Ampeln und Co. bedarfsgerecht gesteuert. Staus durch hohe Verkehrsaufkommen ade. Parkplätze werden mit intelligenter Sensorentechnik versehen, die Auskunft gibt, ob sie frei oder belegt sind. Das Ende lästiger Parkplatzsuchen. Auf die so genannte Smart-Parking-Lösung setzt beispielsweise die Hansestadt Hamburg.

Smart-City-Technologien existieren somit nicht nur in Megaplanstädten vom Reißbrett wie Dubai oder Songdo City in Korea, sondern auch direkt bei uns um die Ecke zum Beispiel im Ruhrgebiet. Zu den digitalen Modellstädten gehören etwa Duisburg und Gelsenkirchen. Tragende Säulen der Smart City sind hier beispielsweise der Ausbau des WLAN-Netzes, intelligente Stromnetze oder die Digitalisierung der kommunalen Verwaltung. Und wenn Kinder in den Ruhrmetropolen in intelligenten Klassenzimmern sitzen, verdanken sie dies dem chinesischen Technologiekonzern Huawei. Vor allem der Breitbandausbau aber geht in Deutschland nur schleppend voran. Und bremst Smart-City-Bemühungen. Zudem sind die Konzepte zur Smart City in der BRD kleinteiliger ¬ auch aufgrund klammer Kassen der Kommunen.

Ob fehlende Energie-Ressourcen, die Überlastung städtischer Infrastrukturen oder zunehmende Luftverschmutzung: Die Digitalisierung und die daraus resultierenden Smart-City-Konzepte sind die adäquate Antwort auf die Herausforderungen der wachsenden Urbanisierung. Sie leisten zudem einen wertvollen Beitrag für einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen.

Georg Kühl

Es gibt keine Blaupause für die Smart City ¬ auch wenn einige Technologiekonzerne und Beratungsagenturen dies behaupten. Jede Stadt ist spezifisch, verfügt über unterschiedliche finanzielle Ressourcen und muss ihren eigenen Weg finden.

Professor Dr. Harald Heinrichs

Die Smart City boomt: Was kommunale Verwaltungen beachten sollten.

Nach einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung stehen sowohl Bürger wie auch Kommunalpolitiker Smart-City-Technologien positiv gegenüber. Auch die Wirtschaft profitiert vom Smart City Boom. Laut einer aktuellen Studie des eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. und Arthur D. Little („Der deutsche Smart-City-Markt 2017–2022. Zahlen und Fakten“) verzeichnet der Sektor 2017 einen Umsatz von ca. 20,4 Milliarden Euro. Bis 2022 sollen sich die Umsätze in Deutschland auf rund 43,8 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Das entspricht einem Wachstum von 16,5 Prozent. Damit alle gleichermaßen profitieren aber braucht es eine Abkehr vom Silo-Denken und ein starkes Netzwerk an Partnern.

Digitale Transformation und Ökosysteme wie die Smart City fordern und fördern vernetztes Denken. Dazu müssen Experten der jeweiligen Fachbereiche aus diversen Branchen und Unternehmen kooperativ zusammenarbeiten. Nur so resultieren tragfähige Gesamtlösungen.

Georg Kühl

Kommunen sollten Technologien nicht um ihrer selbst willen einsetzen oder aus Eitelkeit, um als besonders innovativ zu gelten, sondern weil sie einen Zweck erfüllen. Die Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel. Es geht darum, die Städte lebenswerter, klimagerechter, energie- und ressourcensparsamer sowie bürgernäher zu gestalten.

Eine Herausforderung stellt – vor allem in Hinblick auf die öffentliche Debatte und politische Reglementierungen beispielsweise durch die neue EU-DSGVO – der Umgang mit den gesammelten Daten dar: Einerseits kann die Smart City ohne Big Data nicht existieren. Denn dann fehlen schlichtweg die Informationen zur automatisierten Regelung beispielsweise von Verkehr, Beleuchtungs- oder Bewässerungsanlagen. Anderseits besteht die Gefahr, dass Technologiekonzerne die Daten zweckentfremdet kommerziell nutzen.  Da zukünftig immer mehr Daten verarbeitet werden, ist und bleibt der Datenschutz eine wichtige und kontinuierliche Entwicklungsaufgabe.

Smarte Technologien sind zumeist Querschnittanwendungen, die verschiedene Akteure und Fachbereiche betreffen. Die Politik aber denkt noch zu häufig in Silos.

Professor Dr. Harald Heinrichs

Alle Beteiligten sollten sich bereits in der Initialphase von Smart-City-Projekten stets von der Frage leiten lassen: Wie können wir smarte Technologien einsetzen, um die Lebensqualität zu steigern? Konkret kann das beispielsweise heißen: Wie können wir über smarte Technologien, den Verkehr in unserer Stadt optimieren? Wie können wir Ressourcen im Energiebereich einsparen? In dem wir beispielsweise Bewässerungsanlagen oder Straßenlaternen mit Sensoren versehen und automatisiert und bedarfsgerecht aussteuern. Oder die Bürgerkommunikation digitalisieren und Wartezeiten bei Behördengängen vermeiden? Dass bei der Umsetzung und dem Erfolg der Smart-City-Faktoren wie Größe nicht ausschlagegebend sind, zeigt die österreichische Hauptstadt Wien – laut dem Smart-City-Index der Beratungsagentur Roland Berger die smarteste Stadt der Welt, dicht gefolgt von Chicago und Singapur.

Harald Heinrichs ist Professor für Nachhaltigkeit und Politik am Institut für öffentliche Nachhaltigkeitssteuerung der Universität Lüneburg und Experte auf dem Gebiet smarter Stadtentwicklung.

Georg Kühl, Diplom-Kaufmann und Visionär ist Vorstand der nexum AG und Co-Initiator der Digital Stories.